what is peer about peer economy?

Christian Siefkes hat heute im Systemfehler einen Vortrag zu peer economy gehalten. Dabei ging er der Frage auf den Grund, wie sich diese Art der Produktion von Informationsgütern (freie Software, Wikipedia usw.) verallgemeinern ließe. Ein Vorschlag bezog sich darauf, vom Tausch zu Beiträgen zu wechseln. D.h. es werden nicht mehr Güter gegeneinander getauscht. Stattdessen können Menschen entsprechend ihres Arbeitsaufwandes Güter aus einem Güterpool wählen. Sämtliche produzierten Güter kommen in diesen Güterpool. Unklar blieb bei dem Vortrag, was das ganze mit peer-production zu tun hat. Vielmehr handelt es sich um eine modifizierte Version klassisch sozialistischer Vorstellungen. Zentral ist, dass es keine Aneignung eines möglichen Mehrwerts gibt, da die produzierten Güter nicht zu Privateigentum werden, sondern in einen öffentlichen Güterpool wandern. Sollte für diese Güter mehr „bezahlt“ werden als für die Produktion „ausgegeben“ wurde, so geht dieser „Mehrwert“ an die Allgemeinheit. Schließlich kann keine Einzelperson Güter tauschen. Eine Modifikation besteht höchstens darin (und auch diese Vorschläge wurden schon oft gemacht) die Arbeitszeit und den „Verkaufspreis“ entsprechend der Nachfrage zu gewichten. Diese Sozialismus-Vorstellungen gab es schon vor Linux und Wikipedia. Freie Software und freie Inhalte sind schon heute Bereiche in denen ähnlich dieser Vorstellung gearbeitet wird. Sie tragen theoretisch jedoch nichts neues bei, wenn man von den speziellen Eigenschaft der Informationsgüter abstrahiert. Interessanterweise wären übrigens kommunistische Ökonomievorstellungen näher an der Produktions- und Verteilungsweise von freier Software und free content als die sozialistischen Modelle von Siefkes. Im Kommunismus würde dann nämlich wirklich gelten: jede nach ihren Fähigkeiten und jeder nach ihren Bedürfnissen. Siefkes ist zugute zu halten, dass er sein Modell auch nur als ein mögliches Übergangsmodell zu einer freieren Gesellschaft versteht (so habe ich ihn zumindest verstanden). Sein ganzes Buch ist übrigens frei erhältlich hier: http://www.peerconomy.org


3 Antworten auf “what is peer about peer economy?”


  1. 1 classless 01. März 2008 um 0:30 Uhr

    Das ist wohl auch das Charmante an seinem Ansatz: über Kommunismus zu reden, ohne über Kommunismus zu reden.

    Danke für den Bericht!

  2. 2 Benni Bärmann 01. März 2008 um 12:35 Uhr

    Ich denke es gibt schon einige Punkte, die zumindestens übe den klassischen Sozialismus hinausweisen:

    1. Es gibt kein Geld mehr. Die Verrechnungseinheit „weighted labour“ hat zwar einige Charakteristika von Geld, aber andere wichtige nicht (Konvertierbarkeit, Ansparbarkeit, …)

    2. Die PE ist durchgängig dezentral. Ein radikaler „bottom-up“-Ansatz. Das einzige zentrale Element ist ein sehr simples Computerprogramm und selbst davon können mehrere parallel existieren.

    Also vielleicht Sozialismus 2.0 (es gibt einen Text von Christoph Spehr mit dem Titel, was da geschildert wird, ist aber eher Sozialismus 1.5 ;-) )

    Eine ausführliche Diskussion zum Thema findet schon seit einiger Zeit auf unserem Blog statt, wo Christian auch selbst mitschreibt: keimform.de

  3. 3 Dangerous Nerd 04. März 2008 um 12:34 Uhr

    Zu 1)
    Ja, das hängt wohl von der Sozialismusvorstellung ab. Schließlich gibt es ja den real existierenden Sozialismus und Vorstellungen von Sozialismus, in denen Geld abgeschafft wird, aber noch getauscht wird und es gibt Sozialismusvorstellungen in denen auch nicht mehr getauscht wird. Der Sozialismusbegriff ist da recht schillernd. Ich glaube übrigens eher, dass peereconomy eher klassischer als moderner Sozialismus ist, da der klassische tendenziell radikaler war (meiner Meinung nach).
    zu 2)
    Der bottom-up statt top-down Ansatz ist wichtig und sinnvoll, aber ich glaube auch da gibt es nicht so große Unterschiede. Früher sollte halt die Bürokratie die Nachfrage ermitteln und dann das Angebot planen (und lag damit oft sehr daneben). Beim Sozialismus 2.0 wird die Nachfrage halt effektiver über ein Computerprogramm ermittelt und das Angebot dann über Gewichtung gesteuert. So groß ist der Unterschied meiner Meinung nach nicht aber die Richtung zur Dezentralisierung ist auf jeden Fall sehr wichtig. Ich fände es nur schön, wenn der einzelne nicht so hoffnungslos dem Angebot und der Nachfrage der einzelnen ausgeliefert wäre. Außerdem: eine Planung soll laut dem Vortrag ja trotzdem stattfinden um halbwegs stabile Gleichgewichtszustände herzustellen und keine kopflose Produktion zu haben.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.